Ernüchterung auf dem Junghundetag und Hormone…

Glücklicherweise ging es Nala gestern so gut, daß wir zum Junghundetag nach Zichem fahren konnten.
Um 9 Uhr war Treffen im Clublokal. Nach und nach trudelten die Leute ein. Bei Kaffee und Kuchen lernte man sich kennen bzw. kannte ich einige ja schon von meinen Stunden.

Um 9 Uhr 30 ging es dann offiziell los.
Organisiert und geleitet wurde das Seminar von Patsy Deheyder, Fille Excelmans, Wily Geens und Dave.
Jeder Teilnehmen bekam ein eigens für diesen Tag gestaltetes Infoheft.
Zunächst gaben die Organisatoren uns mit ihren eigenen Hunden (verschiedener Altersgruppen) eine ‚Vorführung‘.
Sinn der Sache war es, uns zu zeigen was man mit einem Hund dem Alter entsprechend Arbeiten kann. Das war sehr beeindruckend! Vor allen Dingen, weil alles völlig ruhig ablief (wir wohnen direkt an einer gemischten Hundeschule – dort wird beim Training nur gebrüllt- und gekläfft…).

Dann ging es zurück ins Clublokal wo es zunächst eine Fragerunde gab.
Auch wenn ich niederländisch ganz gut verstehe, hatte ich streckenweise Probleme zu folgen.
Neben mir saßen Deutsche, die dann bei der Übersetzung geholfen haben.

Es gab eine Präsentation und dann wieder Fragerunde. Dann gab es Mittagessen bestehend aus Paprikasuppe und einer Suppe mit Fleischeinlage, verschiedenen Broten, Butter und verschiene Quiche.

Frisch gestärkt ging es an den praktischen Teil. Wir wurden in 4 Gruppen eingeteilt und verteilten uns auf dem Gelände.
Ich kam in Dave’s Gruppe. Nala war völlig überdreht – kein Wunder, sie hatte wie die anderen Hunde die ganze Zeit im Auto gesessen, ich hatte sie zwischendurch nur zum Lösen rausgelassen.
Ich war mit 2 weiteren (Labbiführern) als Erstes an der Reihe. Es wurden Dummies für eine Memoryübung in ein Gestrüpp geschmissen. Dann gingen wir quer über eine Wiese zu einem Damm, wo weitere Dummies für eine kleine Suche ausgelegt wurden (die Hunde haben das nicht wirklich mitbekommen). Ich sollte sie als erste suchen schicken. Was macht die Dame? Dreht sich um, Memory im Kopf und rennt. Ich sollte alles tun, um sie zu stoppen – also habe ich gebrüllt und gepfiffen – nix! Die Dame schön das Memory rausgeholt und im Vollgalopp zurück zu mir. Vor dem Ausgeben schön gequnatscht ;-( Autsch. Na klasse. Dann sollte sie das Dummy von der kleinen Suche holen. Hier war es wichtig, daß ich mit ihr in das Suchengebiet gehe, den Suchenpfiff mache und sie unmittelbar vor mir bleibt. Entfernte sie sich zu weit, sollte ich sie zurückpfeifen und neu schicken. Das war ok.

Während die anderen dran waren, war Nala super unruhig und hat gefiept ;-(
Sie war völlig überdreht. So habe ich sie noch nicht erlebt.

Bei der 2. Aufgabe wurden wieder für eine Memoryaufgabe Dummies ausgelegt. Wir gingen dann quer über eine Wiese und es wurden auf halber Strecke weitere Dummies sichtig ausgelegt. Sinn der Sache war es diesmal, über eine alte Fallstelle zu schicken. Ich dachte nur ‚Oh weia‘ weil ich der Dame das Tauschen bisher unmöglich gemacht hatte…
Ich war ziemlich am Anfang dran – was macht die Dame? Rennt über die Dummies im Mittelfeld hinweg (nicht zu stoppen!), holt sich ein Dummy aus dem Gebüsch für die Memoryaufgabe, kommt zurück und tauscht sich munter durch das Mittelfeld. Ich war die einzige der ganzen Teilhnehmer (25 an der Zahl), die brüllen und wie blöde pfeifen musste. Es war sooo peinlich.

Die letzte Aufgabe war dann, daß ich sie auf das letzte Memory voranschicken sollte. Also grosse Distanz.
Meine Vorgänger hatten die Hunde unterwegs stoppen und back-schicken müssen. Das habe ich mit Nala nicht trainiert also sagte ich, ich würde lieber mit ihr hingehen, das Dummy sichtig hinlegen und den ganzen Weg zurückgehen um sie dann zu schicken. Dave meinte ‚Dein Hund weiss, daß da noch Dummies liegen! Vertrau Deinem Hund‘ Mir ging es eher darum, daß ich keine Fehler mehr machen wollte. Schlimm genug, daß sie heute mehrfach zum Jagderfolg gekomen war! Er sagte ‚Wenn sie nicht hingeht, kannst Du mir eins mit einem Knüppel überbraten‘. Ich sagte nur zu den anderen ‚Ihr habt es gehört!‘ Allgemeines Gegröhle. Alle ‚Dein Hund weiß wo die Dummies liegen‘. Ok, na dann. Beim Schicken wies Dave mich noch darauf hin, daß es nicht reicht die Hand an Nala’s Kopf zu halten, sondern den ganzen Arm zu benutzen und über ihren Kopf hinweg in die Richtung zu zeigen. Ok.
Nala lief wie ein geölter Blitz los, Richtung alte Fallstellen, ich sollte sie mit ‚Voran‘ unterstützen. Gesagt, getan. Alles wunderbar. Die Dame kommt direkt an das richtige Dummy, nimmt auf (ich pfeife den Komm-Pfiff), macht sich auf den Rückweg und dann an den alten Fallstellen geht sie nachsuchen!!! Ich sollte wieder Pfeifen und Brüllen. Ich war schon fast heiser. Dann bequemte sie sich, doch zurückzukommen. Sitzt perfekt vor, bietet das Dummy vorbildlich an.

Fazit des Trainers: toller Hund, super schnell, super Nase aber kein Respekt vor mir. Zumindest gestern nicht.
So habe ich Nala noch nie erlebt.

Das ist mal eine Kurz-Zusammenfassung. Ich war ziemlich ernüchtert – aber es hat trotzdem Spass gemacht.
Ich hatte mich mit einigen Teilnehmern unterhalten die total nett waren und sagten ‚Alles kommt gut! Einen schnellen Hund kann man bremsen, einen langsamen schnell zu bekommen ist fast unmöglich‘. Ich weiss.

Heute morgen sehe ich dann, daß die Dame (endlich) völlig unerwartet blutet und bin irgendwie erleichtert.
Ich glaube, daß ihr extremes Verhalten auch darauf zurückzuführen ist. Ich wußte schon um die Tatsache, daß ihr Jagdtrieb im Zweifelsfall stärker ist als ihr Gehorsam – aber das war schon ziemlich extrem gestern!
Ich hoffe mal, daß es die Hormone sind.

Jedenfalls habe ich wieder einiges gelernt und werde noch mehr an der Basis arbeiten. Keine Chance mehr, zu tauschen! Kein Jagen!

2 Gedanken zu „Ernüchterung auf dem Junghundetag und Hormone…

  1. Sarah mit Frieda

    Ach, Melanie, ich finde es so toll, dass Du hier so offen schreibst! Es gehört doch nicht viel dazu, zu schreiben, wie super der Hund immer ist – viel interessant und lehrreicher sind doch die Male, an denen es NICHT perfekt läuft.

    Frieda und ich haben ganz ähnliche Probleme: Sie ist schnell, hat eine super Nase und ist hoch motiviert. ABER sie tendiert zum Hochdrehen, fiept gern mal, wenn andere arbeiten, wird dann unaufmerksam und schwer zu kontrollieren. Von daher heißt es bei uns auch mal wieder: Grundgehorsam stärken, Erziehungsbasics üben. Alles, wobei ihre Triebe gehemmt werden, und sie gehorsam sein muss, ist gut. Alles, was ihre Triebe pusht, ist erstmal schlecht, weil unnötig und kontraproduktiv.

    Bestimmt hat Nalas Verhalten mit ihrer Läufigkeit zu tun (Gratulation dazu übrigens! :-)). Daher mach Dir nicht so viele Gedanken und bleib am Ball. Was ich bisher von Nala gelesen habe, klang eigentlich immer eher beneidenswert. 🙂

  2. mella Beitragsautor

    Hallo Sarah,
    da gibt es wirklich nichts zu Beschönigen.
    Aber ich weiß was Du meinst.
    Ich maile Dir die Tage mal!
    Sei lieb gegrüsst, Melanie

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